Veitsberg


Zu Mittag steigt man durch die Teufelsriese an einer alten gespentischen Burgruine vorbei auf den Veitsberg (der letzte Teil ist die sogenannte Blutwiese). Er ist wahrlich ein wilder Berg. Die Frühlingssonne brennt auf den Südhang, es werden die letzten Kräfte abverlangt, der Schweiß fließt in Strömen.
Zwischen Zweikirchen, Veitsberg und Lorenziberg stehen Kinder am Weg, die mit Süßigkeiten und Geldstücken beschenkt werden. Eine symbolische Geste, eine rituelle Gabe der Erwachsenen an die Kinder.
Der Veitsberg oder Göseberg (OS = Sonnenberg) ist der Dritte der vier heiligen Berge und mit 1160 m der Höchste. Auf dem Gipfel steht eine kleine Kirche, in der nur einmal im Jahr die Messe gefeiert wird. Sie ist erneuert worden, nachdem sie schon mindestens 500 Jahre urkundlich bekannt ist. Die alte Statue des Veit fehlt. Die Wallfahrt hierher sollte eine gute Ernte bewirken, jeder kann sich mit einem Spruch in ein Buch eintragen. Glück bringt, wer dreimal um die Kirche im (Uhrzeigersinn=Sonnenlauf) herumgeht und wenn er das Seelenglöcklein läutet geht ein Wunsch, an den er innig denkt in Erfüllung. Die Frauen bestiegen den Berg durch die Teufelsriese schweigend, ohne sich umzusehen um einem Leiden, oder auch nur einem Gewebeknoten oder einer lästigen Warze abzusprechen. Beim Hof „Die hohe Gösn“ erhielt man Karfunkellaub als Abwehrmittel gegen Feuer, Blitz und Hagel. Zweifellos ein vorchristlicher, heidnischer Kultplatz.
Es ist wohl kein Zufall, daß man in der Nähe beim Schloß Hohenstein ein Noreia-Eisidi Heiligtum gefunden hat genau in der Mitte des Kreises, den die Vierbergewallfahrt macht, die bei Sonnenuntergang beendet werden muß. Es dauert etwa zwei Stunden, bis die Letzten am Lorenziberg, um ca. 16 Uhr, eingelangt sind.
Das Laufen, die Eile soll nicht Wettkampf sein, sondern die ekstatische Stimmung steigern. Wir finden es auch bei anderen, ähnlichen religiösen Veranstaltungen, etwa der Turner Mehrortewallfahrt in Salzburg. Man erinnert sich auch an die antiken Dionysosfeiern und die rasenden Mänaden.
Der heidnische Ursprung des Brauches kommt auch darin zum Ausdruck, daß man dem Lauf der Sonne folgt, im Osten beginnt, über Süden nach Westen zieht und im Norden endet. Die Läufer schmücken ihre Hüte mit Berglerlaub von jedem der vier Berge: Bärlapp, Wacholder, Karfunkellaub (Efeu mit roter Unterseite), und Buchsbaum, lauter unheilabwehrenden Kräutern. Sonnenverehrung und Wachstumsmagie standen am Anfang. Der christliche Charakter kommt im Gebet und den Messen zum Ausdruck, die zu Mitternacht am Magdalensberg, in Pörtschach am Berg, Karnberg, Zweikirchen und zu Mittag in Liemberg und den Andachten am Ulrichsberg, Veitsberg, Gradenegg, Sörg und Lorenziberg gehalten werden.
Der Weg geht über Berg und Tal (siehe Karte).