Der Ablauf

In früheren Zeiten (für manche Wissende auch heute) begann der Vierbergelauf bereits am Donarstag = Thor–Ahns–Tag in der Nähe von St.Veit am Fuße des Hel–Berges in St.Donat = saliger Thor–Ahn mit dem Aufstieg zum Gipfel des Helberges. Es heißt, wenn niemand mehr am Vierbergelauf teilnimmt, dann steht der Weltuntergang unmittelbar bevor (dann verstehen die Menschen die göthliche Ordnung nicht mehr). Andererseits ist jedem, der dreimal am Vierbergelauf teilgenommen hat, der Himmel (HIM–BEL = Heim des Bhel) gewiß. Der Weltuntergang ist derzeit nicht zu befürchten, da jährlich über 3000 Menschen (und immer mehr) aus Nah und Fern, wie seinerzeit aus dem großen Keltenreich teilnehmen. Das Vierberglerlaub, das man während des Umlaufs sammelte, steckte man wie den Palmbuschen auf die Äcker, um sie vor Unwetter und Unfruchtbarkeit zu bewahren, wofür auch in den, auf der Wegstrecke liegenden Kirchen gebetet wurde. Dies sind Bärlapp, Wacholder, Karfunkellaub, (Efeu mit roter Unterseite) und Buxbaum. Steinchen von jedem der vier Berge schützten vor Blitzschlag. Am Ulrichsberg opfern die Wallfahrer eine Handvoll Getreide und nahmen dafür eine Handvoll Getreide mit. So tauscht man Getreide, das man mitbringt in geweihtes Getreide, das zu Hause unter das Saatgut gemengt wird.
Der Vierbergelauf beginnt, wie schon erwähnt, am Vorabend des Dreinagelfreitags, das ist der zweite Freitag nach Ostern. Früher waren es insgeheim heidnische Einheimische und Pilger mit religiöser Motivation, jetzt sind viele Touristen aus den entferntesten Gegenden des Landes und Auslandes dabei. Die Pilger mit religiöser Motivation folgen den Kreuzträgern, die die Wegstrecke kennen und den Zeitplan der Messen in den Kirchen genau einhalten. Die Männer tragen Bärlappzweige auf dem Hut, die Frauen halten sie in den Händen. Viele Teilnehmer, die nicht der Messe beiwohnen wollen machen einen dreimaligen Umgang im Uhrzeigersinn – also nach dem Lauf der Sonne, wie es schon in heidnischer Zeit üblich war.
Es gibt viele Labestationen und Gasthäuser auf der Strecke um sich zu stärken. Viele Freundschaften werden dort und unterwegs bei anregenden Gesprächen geschlossen. Besonders die Jugend findet sich auf dem langen Weg in lustigen Runden zusammen. Der Weg von ca. 50 km Länge, der über die Berge führt wird nicht im Laufschritt, sondern teils zügig, teils gemütlich wandernd innerhalb von 16 Stunden zurückgelegt (im Altdeutschen: laufen = gehen). Die Teilnehmer wurden früher immer gezählt. Es würde als unheilvoll angesehen werden, wenn die Zahl der vom Helberg abgehenden mit der am Lorenziberg eintreffenden Teilnehmer nicht übereinstimmen würde. Heute wäre das ein hoffnungsloses Unterfangen, denn viele, vorwiegend Jugendliche die schon am Vorabend in lustiger Runde waren und zuviel getrunken haben, geben vorzeitig auf. Ältere steigen erst später, z.B. am Ulrichsberg oder in Zweykirchen ein. Der Vierbergelauf findet bei jedem Wetter statt.
Daß es sich um einen heidnischen Brauch handelt steht zweifellos fest, auch wenn man ihn jetzt christlich deutet und behauptet, durch so eine Wallfahrt eine arme Seele vor dem Fegefeuer retten zu können. An bestimmten Stellen geht man schweigend, auch das geht auf altes Brauchtum zurück. Schon 400 n.Ø ist von solchen Flurumzügen in ganz Europa die Rede, die später in Bittprozessionen, wie sie heute noch vorkommen verwandelt wurden, um die Fruchtbarkeit zu erhalten. Dazu kommen die ursprünglichen Motive wie Sonnenverehrung, Feuer, Toten-, Natur-, Erdmutter- und Bergkult.
Beim Beginn des Laufes am Hel-Berg trägt jeder Läufer eine brennende Fackel oder eine Ta-schenlampe, da es eine Dunkelmondnacht (der Mond steht in Konjunktion mit der Sonne) und vollständig finstere Nacht ist. Zum Teil geht es wild den Berg hinab, man durchquert ein gruseliges Waldstück bei Meiselberg und macht Rast beim Gasthof Fleißner an der Wiener Bundesstraße am Salfeld, der extra offenhält. Um 3 Uhr früh ist in Pörtschach am Berg wieder eine Feldlager-Rast bei einem Bauernhof, Lagerfeuer brennen, der Mensch beginnt innere Einkehr zu halten. Die Kreuzträger ziehen den Wallfahrern voran in Pörtschach am Berg in die Kirche ein. Wer in der Kirche keinen Platz findet, bleibt draußen auf dem Friedhof. Die nächste Station ist der Ulrichsberg. Manche erreichen ihn schon um 4 Uhr.